Abrufgestützte Antworten (RAG) verstehen und auslegen
Acht Module, je 45 bis 90 Minuten, mit Übung und Selbstprüfung. Gesamtdauer rund zwölf Stunden einschließlich Übungen.
Voraussetzung
Keine Programmierkenntnisse nötig. Wer die Übungen an einem eigenen Bestand durchführen will, braucht Zugriff auf rund hundert eigene Dokumente.
Abschluss
Teilnahmebestätigung und Kompetenznachweis. Kein Zeugnis, kein anerkannter Abschluss.
Warum abrufen statt trainieren
Ziele
- den Unterschied zwischen Modellwissen und Bestandswissen benennen können
- einschätzen können, wann Abruf, wann Nachschulung und wann keines von beiden richtig ist
- die beiden Strecken Aufnahme und Abfrage voneinander trennen können
Inhalt
Ein Sprachmodell hat gelernt, wie Sprache und Fachgebiete im Allgemeinen aussehen, aber es kennt weder die eigene Preisliste noch die Fassung der Arbeitsanweisung von vergangener Woche. Drei Wege führen aus dieser Lage: den Bestand bei jeder Frage mitgeben (Abruf), das Modell nachschulen, oder die Frage anders stellen. Der Abruf gewinnt, wo der Bestand sich ändert, wo Fundstellen verlangt sind und wo Rechte je Person unterschiedlich sind. Die Nachschulung gewinnt, wo Form und Ton gelernt werden sollen, nicht Inhalt. Das Modul führt außerdem die Unterscheidung ein, die den ganzen Kurs trägt: die Aufnahmestrecke läuft einmal und bei jeder Änderung, die Abfragestrecke bei jeder einzelnen Frage. Fast alle Kosten- und Zeitfragen entscheiden sich daran, auf welcher der beiden Strecken ein Schritt liegt.
Übung
Fünf Fragen aus dem eigenen Betrieb aufschreiben und je Frage entscheiden: Modellwissen, Bestandswissen oder beides. Bei Bestandswissen die Quelle benennen, in der die Antwort tatsächlich steht.
Selbstprüfung
Warum löst eine Nachschulung das Problem veralteter Preislisten nicht?
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Weil der Inhalt im Modell festgeschrieben wäre und jede Preisänderung eine neue Schulung verlangte; außerdem ließen sich keine Fundstellen angeben und keine Rechte je Person durchsetzen.
Quellen: L01, L12
Der Bestand: Quellen, Abgrenzung, Aufnahme
Ziele
- einen Bestand nach Gültigkeit, Zuständigkeit und Freigabe abgrenzen können
- die typischen Verluste bei der Texterkennung erkennen
- Ordnungsangaben festlegen, die später Einschränkungen erlauben
Inhalt
Der häufigste Grund für schlechte Antworten ist ein schlechter Bestand, nicht ein schlechtes Modell. Dieses Modul geht die Aufnahme durch: welche Dateiarten mit welchen Mitteln gelesen werden, woran man erkennt, dass eine Tabelle beim Einlesen zu Fließtext zerfallen ist, und warum gescannte Altbestände gesondert behandelt gehören. Zweiter Teil sind die Ordnungsangaben. Quelle, Fassung, Gültigkeitsdatum, Abteilung und Freigabestufe werden bei der Aufnahme mitgeführt, weil sie später jede Einschränkung tragen: nur gültige Fassungen, nur eigene Abteilung, nur freigegebene Bereiche. Was hier fehlt, lässt sich später nicht nachrüsten, ohne den Bestand neu aufzunehmen.
Übung
Zwanzig eigene Dokumente auswählen und für jedes eintragen: Quelle, Fassung, gültig ab, gültig bis, zuständige Stelle, Freigabestufe. Anschließend prüfen, bei wie vielen mindestens ein Feld unbekannt ist.
Selbstprüfung
Weshalb gehört die Rechteprüfung in den Abruf und nicht in die Oberfläche?
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Weil das Sprachmodell sonst Inhalte in der Antwort verarbeitet, die der Fragende nicht sehen darf; die Antwort gibt sie dann sinngemäß weiter, auch wenn die Fundstelle ausgeblendet wird.
Quellen: L22
Zerlegung: der größte Hebel
Ziele
- drei Zerlegungsarten unterscheiden und begründen können
- Abschnittslänge und Überlappung für einen gegebenen Bestand festlegen
- den mitgeführten Kopf als Standardmaßnahme anwenden
Inhalt
Zerlegung nach Zeichenzahl ist einfach und zerschneidet zuverlässig das Falsche. Zerlegung entlang der Gliederung folgt Überschriften, Absätzen und Tabellengrenzen und liefert Abschnitte, die für sich verständlich bleiben. Zerlegung nach Bedeutungswechsel misst, wo ein Text das Thema wechselt, und schneidet dort; sie kostet mehr und lohnt bei unstrukturierten Beständen. Als Anhaltswert für Handbücher und Normen haben sich Abschnitte von 500 bis 800 Zeichen mit etwa 15 Prozent Überlappung bewährt, bei stark gegliederten Vertragstexten eher kürzer. Unabhängig von der Art gilt der mitgeführte Kopf: Dokumenttitel, Überschriftenpfad, Fassung und Datum stehen in jedem Abschnitt, sonst steht ein Grenzwert ohne das Bauteil da, auf das er sich bezieht.
Übung
Ein eigenes Handbuch dreimal zerlegen (400, 800 und 1500 Zeichen) und je fünf Abschnitte blind lesen. Notieren, welche ohne Zusatzwissen verständlich sind. Danach den Kopf ergänzen und erneut lesen.
Selbstprüfung
Ein Abschnitt lautet vollständig: 'Der Wert darf 0,2 mm nicht überschreiten.' Was fehlt und auf welcher Stufe wird es ergänzt?
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Bezugsgröße und Geltungsbereich. Ergänzt wird beides durch den mitgeführten Kopf bei der Zerlegung, nicht später beim Abruf.
Quellen: L14, L22
Einbettung und Index
Ziele
- erklären können, was ein Einbettungsvektor abbildet und was nicht
- ein Einbettungsmodell nach Sprache, Fachwortschatz und Eingabelänge auswählen
- zwischen Datenbankerweiterung und eigener Vektordatenbank entscheiden
Inhalt
Ein Einbettungsmodell bildet Text auf einen Punkt in einem Raum mit einigen hundert bis einigen tausend Richtungen ab; Nähe in diesem Raum bedeutet ähnliche Bedeutung. Was der Raum nicht gut abbildet, sind Ziffernfolgen, Bestellnummern und Negationen. Daraus folgt unmittelbar die hybride Suche des nächsten Moduls. Bei der Modellwahl zählen drei Dinge: Deckt es Deutsch wirklich ab oder nur nebenbei, kennt es den Fachwortschatz, und wie lang darf die Eingabe sein. Für den Index gilt eine einfache Faustregel: bis in den unteren Millionenbereich an Abschnitten genügt eine vorhandene Datenbank mit Vektorerweiterung, darüber lohnt eine eigene Vektordatenbank. Ein Modellwechsel verlangt immer die vollständige Neuindexierung.
Übung
Zehn Begriffspaare aus dem eigenen Fach bilden, je eines sinnverwandt und eines nur ähnlich geschrieben. Vorhersagen, welche Paare ein Einbettungsmodell als nah einstuft, und die Vorhersage im Werkzeug prüfen.
Selbstprüfung
Warum findet die Vektorsuche die Bestellnummer 7A-2210-B oft nicht?
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Weil Ziffern- und Zeichenfolgen kaum Bedeutung tragen; im Bedeutungsraum liegt 7A-2210-B nahe bei jeder anderen ähnlich gebauten Nummer.
Quellen: L02, L18, L21
Abruf, hybride Suche und Nachsortierung
Ziele
- Stichwort- und Vektorsuche nach ihren Stärken einsetzen
- eine hybride Suche mit Rangzusammenführung aufbauen
- Nachsortierung samt Schwellenwert für Abstinenz einrichten
Inhalt
Die Stichwortsuche zählt Wörter und gewichtet seltene höher; sie trifft genau dort, wo wörtliche Übereinstimmung zählt. Die Vektorsuche trifft, wo dieselbe Sache anders heißt. Zusammengeführt werden beide über die Rangplätze, nicht über die Punktwerte, weil die Punktwerte nicht vergleichbar sind. Danach folgt die Nachsortierung: der Abruf liefert großzügig dreißig bis fünfzig Kandidaten, ein Paarbewerter ordnet sie neu, und nur die besten drei bis acht gehen weiter. Der Schwellenwert an dieser Stelle ist die einzige Stufe, an der ein System sauber sagen kann, dass der Bestand zur Frage nichts enthält.
Übung
Zwanzig eigene Fragen stellen, je zehnmal mit reiner Vektorsuche und mit hybrider Suche. Für jede Frage notieren, auf welchem Rang die richtige Stelle steht. Dann Nachsortierung zuschalten und vergleichen.
Selbstprüfung
Was passiert ohne Schwellenwert nach der Nachsortierung?
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Es wird immer etwas weitergereicht, auch wenn nichts passt; das System kann nicht abstinent bleiben und erzeugt zwangsläufig Antworten ohne Grundlage.
Quellen: L03, L13, L19, L20
Kontextbau, Erzeugung und Belegpflicht
Ziele
- die Reihenfolge im Kontext begründen können
- eine Arbeitsanweisung schreiben, die Abstinenz und Belege erzwingt
- Scheinbelege erkennen
Inhalt
Die ausgewählten Abschnitte werden gekennzeichnet, entdoppelt und geordnet in die Anweisung gesetzt. Wichtiges gehört an Anfang und Ende, weil Modelle Inhalte in der Mitte langer Vorlagen schlechter verwerten. Die Anweisung selbst legt drei Dinge fest: nur aus dem Vorgelegten antworten, jede Aussage mit Fundstelle versehen, und bei fehlender Grundlage das ausdrücklich sagen. Der schwierigste Fehler dieses Schritts ist der Scheinbeleg: eine Fundstelle wird angehängt, deckt die Aussage aber nicht. Er fällt weniger auf als eine offene Falschaussage und wird nur durch eine gesonderte Prüfung sichtbar.
Übung
Eine Arbeitsanweisung schreiben und an fünf Fragen prüfen, davon zwei, deren Antwort im Bestand nicht steht. Gewertet wird nur, ob das System bei diesen beiden abstinent bleibt.
Selbstprüfung
Warum ist mehr Kontext nicht zwingend besser?
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Weil zusätzliche, nur entfernt passende Abschnitte das Signal verdünnen und Inhalte in der Mitte langer Vorlagen schlechter verwertet werden.
Quellen: L11, L22
Güte messen: Prüfsatz, Maße, Regressionsschutz
Ziele
- einen eigenen Prüfsatz mit unbeantwortbaren Fällen aufbauen
- Abruf und Antwort getrennt messen
- eine Änderung nur nach Messung übernehmen
Inhalt
Ein Prüfsatz aus fünfzig bis zweihundert eigenen Fragen mit bekannter richtiger Fundstelle ist die Grundlage jeder Aussage über Güte. Ein Fünftel davon sind Fragen, die der Bestand nicht beantwortet; sie messen die Abstinenz. Gemessen wird getrennt: auf der Abrufseite, ob die richtige Stelle unter den ersten k Treffern ist und an welcher Position; auf der Antwortseite, ob jede Aussage durch die mitgegebenen Abschnitte gedeckt ist und ob die Frage tatsächlich beantwortet wurde. Jede Änderung an Zerlegung, Modell oder Abruf läuft vorher gegen diesen Satz. Ohne das ist der Betrieb einer solchen Anlage Meinungssache.
Übung
Einen Prüfsatz mit dreißig Fragen anlegen, davon sechs unbeantwortbar. Ausgangsmessung aufnehmen, dann eine einzige Änderung vornehmen und erneut messen.
Selbstprüfung
Ein System beantwortet neunzig Prozent der Prüffragen richtig, aber auch alle unbeantwortbaren. Wie ist das zu bewerten?
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Als untauglich für den Betrieb: es erfindet, wo es schweigen müsste, und die neunzig Prozent sagen nichts darüber, wie oft das im Alltag geschieht.
Quellen: L17, L24
Betrieb, Pflege und Rechtsrahmen
Ziele
- den laufenden Pflegeaufwand einer solchen Anlage benennen
- die Pflichten aus KI-Verordnung und Datenschutz einordnen
- einen Betrieb gegen Fehlbedienung und Missbrauch absichern
Inhalt
Eine Anlage dieser Art ist kein Vorhaben mit Enddatum, sondern ein Bestand mit Pflegeaufwand. Laufend anfallen: Neuaufnahme geänderter Dokumente, Ausmusterung ungültiger Fassungen, Pflege des Prüfsatzes, Auswertung der Rückmeldungen und die Beobachtung, ob die Fragen sich vom ursprünglichen Zuschnitt entfernen. Rechtlich zu beachten sind Kennzeichnung und Protokollierung nach der KI-Verordnung, die Rechtsgrundlage und Löschbarkeit personenbezogener Inhalte nach der Datenschutz-Grundverordnung, und die Frage, wem die Inhalte im Bestand gehören. Bei eigener Weitergabe an Dritte kommt die Lizenzlage der eingesetzten Werkzeuge hinzu; sie ist gesondert zu prüfen.
Übung
Einen Pflegeplan über zwölf Monate aufstellen: wer nimmt wann welche Quellen neu auf, wer pflegt den Prüfsatz, wann wird gemessen, wann wird ausgemustert.
Selbstprüfung
Welche laufende Aufgabe wird bei der Planung am häufigsten vergessen?
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Die Ausmusterung ungültiger Fassungen. Neue Dokumente werden zuverlässig nachgetragen, alte bleiben liegen und werden weiterhin als Beleg ausgegeben.
Quellen: L25, L26, L27
Literatur
- L01 Lewis, P. et al. (2020): Retrieval-Augmented Generation for Knowledge-Intensive NLP Tasks. NeurIPS 2020. arXiv:2005.11401
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