Voraussetzungen: Prozentrechnung, Dreisatz, Taschenrechner. Kein Vorwissen zu Immobilien.
Umfang: 5 Module, Richtwert 10 Stunden (Richtwert aus Inhaltsmenge und Übungen, noch nicht im Unterricht erprobt.)
Datenschutz: kein Konto, keine Auswertung, keine externen Anfragen; die Seite läuft offline.
Nachweis: Ausgestellt wird nur eine Teilnahmebestätigung bzw. ein Kompetenznachweis, kein Zeugnis und kein anerkannter Abschluss.
Übungswerkzeuge: RechnerRisikoProjektRadarObjektakte
Daten ehrlich lesen
Lernziele
- Erklären, warum ein Wert ohne Quelle nicht in eine Bewertung gehört (verstehen)
- Eine Gesamtnote aus Teilnoten berechnen, wenn Teilnoten fehlen (anwenden)
- Datenabdeckung als eigenes Qualitätsmaß lesen und einen Score danach einordnen (beurteilen)
Ein Score ist eine Behauptung
Eine Zahl von 0 bis 100 wirkt genau. Sie ist nur so verlässlich wie die Daten, aus denen sie entsteht. Wer einen Preis mit einem Referenzpreis vergleicht, braucht einen belegten Referenzpreis – mit Quelle und Stand. Fehlt er, gibt es zwei Möglichkeiten: schätzen oder weglassen. Schätzen erzeugt eine scheinbar vollständige Zahl, die niemand überprüfen kann. Weglassen ist unbequem, aber ehrlich.
Renormierung statt Abzug
Eine Bewertung setzt sich aus gewichteten Teilnoten zusammen, etwa Preis 30, Lage 20, Eignung 35, Potenzial 5, Risiko 10 (Summe 100). Fehlt eine Teilnote, wird sie nicht mit null angesetzt, denn das würde das Objekt bestrafen, weil jemand Daten nicht erhoben hat. Sie wird aus der Gewichtung genommen; die übrigen Gewichte werden wieder auf 100 hochgerechnet. Gesamtnote = Summe(Teilnote × Gewicht) geteilt durch die Summe der vorhandenen Gewichte.
Datenabdeckung
Die Summe der vorhandenen Gewichte ist zugleich die Datenabdeckung in Prozent. Liegt sie unter 60 %, ist der Score nur eine grobe Sortierung und kein Urteil. Ein Score von 88 bei 40 % Abdeckung sagt weniger als ein Score von 70 bei 100 % Abdeckung. Deshalb stehen in jeder Auswertung beide Zahlen nebeneinander.
Übungen
Ein Mietobjekt hat folgende Teilnoten: Eignung 50, Potenzial 40, Risiko 100. Für Preis und Lage gibt es keine belegten Referenzdaten. Gewichtung: Preis 30, Lage 20, Eignung 35, Potenzial 5, Risiko 10. Berechnen Sie (a) die Datenabdeckung und (b) die Gesamtnote nach Renormierung.
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(a) Vorhandene Gewichte: 35 + 5 + 10 = 50, also 50 % Abdeckung. (b) (50 × 35 + 40 × 5 + 100 × 10) / 50 = (1.750 + 200 + 1.000) / 50 = 59. Die Gesamtnote 59 ist wegen der Abdeckung unter 60 % nur eine grobe Sortierung.
Häufiger Fehler: Wer Preis und Lage mit null ansetzt, erhält 29,5 – ein Wert, der das Objekt für Datenlücken bestraft.
Ein Objekt hat Score 88 bei 40 % Datenabdeckung, ein zweites Score 70 bei 100 %. Welche Aussage ist richtig?
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Richtig: c)
Unter 60 % Abdeckung ist der Score nur eine grobe Sortierung. Das zweite Objekt ist nicht sicher besser, aber sein Wert ist belastbar. Abdeckung und Score werden nicht verrechnet; sie sind zwei verschiedene Aussagen.
Nennen Sie zwei Daten, die für Ihre eigene Standortentscheidung (Wohnung, Werkstatt, Geschäft) wichtig wären, und überlegen Sie: Wo finden Sie sie belegt, mit Quelle und Stand? Welche würden Sie nur schätzen können?
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Offene Aufgabe. Gute Antworten nennen eine überprüfbare Quelle (Statistik Austria, Gemeinde, Grundbuch, Mietvertrag, Energieausweis) und trennen belegte Werte von Schätzungen. Eine Schätzung ist zulässig, wenn sie als solche gekennzeichnet ist und nicht in eine Rechnung einfließt, als wäre sie belegt.
Quellen
- IMMORADAR, Methodenbeschreibung (04_META/METHODEN.md)
- Little, R. J. A.; Rubin, D. B.: Statistical Analysis with Missing Data. 2. Aufl., Wiley 2002
- Rubin, D. B.: Inference and missing data. Biometrika 63 (1976), 581–592
Kaufnebenkosten und Finanzierung
Lernziele
- Die Kaufnebenkosten eines Liegenschaftserwerbs in Österreich berechnen (anwenden)
- Eine Monatsrate (Annuität) berechnen und gegen das Einkommen stellen (anwenden)
- Einen Zinsschock durchrechnen und seine Folgen beschreiben (analysieren)
Der Kaufpreis ist nicht der Preis
Zum Kaufpreis kommen Nebenkosten: Grunderwerbsteuer (Regelsatz 3,5 %, für bestimmte Familienübertragungen ein Stufentarif von 0,5 bis 3,5 %), Eintragungsgebühr für das Eigentumsrecht (1,1 %), Pfandrechtsgebühr auf die Hypothek (1,2 %), Vertragserrichtung (Parameter, im Beispiel 2 %), Maklerprovision (Parameter, im Beispiel 3 % zuzüglich 20 % Umsatzsteuer) und die Eingabengebühr. Die zeitlich befristete Befreiung von Eintragungs- und Pfandrechtsgebühr für Eigenheime galt für Grundbuchanträge bis 30.06.2026 und ist ausgelaufen. Alle Sätze sind Rechenparameter und müssen vor jeder echten Entscheidung geprüft werden.
Die Rate
Bei gleichbleibendem Zins und gleichbleibender Rate (Annuität) gilt: Rate = Kredit × i / (1 − (1 + i)^(−n)), mit i = Jahreszins/12 und n = Laufzeit in Monaten. Die Rate bleibt gleich, der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil steigt.
Tragbarkeit und Stresstest
Die Schuldendienstquote ist die Monatsrate geteilt durch das monatliche Nettoeinkommen. Die verbindliche Kreditvergabe-Verordnung (KIM-V) ist am 30.06.2025 ausgelaufen; die Finanzmarktaufsicht hat danach im Rundschreiben WIK 02/2025 aufsichtliche Erwartungen formuliert (Orientierung: Beleihung bis 90 %, Schuldendienstquote bis 40 %, Laufzeit bis 35 Jahre). Es sind Orientierungswerte, keine Gesetze; Banken prüfen nach eigenen Richtlinien und verlangen in der Praxis oft mehr Eigenmittel. Ein Stresstest rechnet dieselbe Finanzierung mit einem um drei Prozentpunkte höheren Zins.
Übungen
Kaufpreis 300.000 €, geplante Hypothek 240.000 €, mit Makler. Verwenden Sie die Sätze aus dem Text (Vertragserrichtung 2 %, Makler 3 % + 20 % USt, Eingabengebühr 47 €). Berechnen Sie die Kaufnebenkosten insgesamt.
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Grunderwerbsteuer 10.500 € + Eintragung 3.300 € + Pfandrecht 2.880 € (1,2 % von 240.000) + Vertrag 6.000 € + Makler 10.800 € (3 % × 1,2) + Eingabengebühr 47 € = 33.527 €, das sind 11,2 % des Kaufpreises.
Häufiger Fehler: Die Pfandrechtsgebühr berechnet sich auf die Hypothek, nicht auf den Kaufpreis.
Ein Kredit über 200.000 € läuft 25 Jahre mit 4,0 % Jahreszins. Wie hoch ist die monatliche Rate? Wie hoch ist sie bei einem um drei Prozentpunkte höheren Zins (7,0 %)?
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i = 0,04/12, n = 300. Rate = 1.055,67 €. Bei 7,0 %: 1.413,56 €, also 357,88 € mehr (33,9 %).
Häufiger Fehler: Der Zins ist ein Jahreszins; in der Formel steht der Monatszins.
Das Haushaltsnettoeinkommen beträgt 3.200 € pro Monat. Wie hoch ist die Schuldendienstquote für die Rate aus M2-U2 (4,0 %) und für die Stress-Rate? Wie sind beide gegenüber der Orientierung von 40 % einzuordnen, und was folgt daraus für die Entscheidung?
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1.055,67 / 3.200 = 33,0 %; 1.413,56 / 3.200 = 44,2 %. Die Ausgangsrate liegt unter der Orientierung von 40 %, die Stress-Rate darüber. Die Finanzierung trägt also nur, solange der Zins nicht um drei Prozentpunkte steigt – oder der Haushalt braucht mehr Eigenmittel, eine längere Zinsbindung oder ein höheres Einkommen. Die Quote sagt außerdem nichts über Lebenshaltung und Rücklagen.
Quellen
- Finanzmarktaufsicht (FMA): Rundschreiben WIK 02/2025 (26.06.2025)
- Grunderwerbsteuergesetz 1987 (GrEStG), BGBl. Nr. 309/1987
- Gerichtsgebührengesetz (GGG), BGBl. Nr. 501/1984 (Tarifpost 9)
- IMMORADAR rendite.py, Sätze Stand 2026-09-02
Rendite und Steuer
Lernziele
- Brutto- und Nettomietrendite sowie den Kaufpreisfaktor berechnen (anwenden)
- Die Immobilienertragsteuer für einen einfachen Verkauf überschlagen und die Grenzen der Überschlagsrechnung benennen (anwenden, beurteilen)
Kennzahlen
Die Bruttorendite setzt die Jahresmiete ins Verhältnis zum gesamten Einsatz (Kaufpreis plus Nebenkosten). Die Nettorendite zieht Leerstand und Bewirtschaftung ab (im Beispiel 4 % Leerstand, 20 % Bewirtschaftung). Der Kaufpreisfaktor ist der Kaufpreis geteilt durch die Jahresnettomiete: Er sagt, in wie vielen Jahresmieten sich der Preis ausdrücken lässt.
Immobilienertragsteuer
Gewinne aus der Veräußerung von Grundstücken unterliegen in Österreich dem besonderen Steuersatz von 30 % auf die Differenz zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten (Neuvermögen). Für Altvermögen gelten pauschale Sätze, für Hauptwohnsitze und selbst errichtete Gebäude Befreiungen mit engen Voraussetzungen. Für den umwidmungsbedingten Bodengewinn gibt es einen Zuschlag. Eine Überschlagsrechnung ersetzt keine Steuerberatung; bei mehreren Käufen und Verkäufen in kurzer Zeit kann der Verkauf als gewerblicher Grundstückshandel gelten.
Übungen
Eine Vorsorgewohnung kostet 250.000 €; die Nebenkosten betragen 10 % des Kaufpreises. Die Nettomiete beträgt 1.100 € pro Monat. Leerstand 4 %, Bewirtschaftung 20 %. Berechnen Sie Bruttorendite, Nettorendite und Kaufpreisfaktor.
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Einsatz 275.000 €; Jahresmiete 13.200 €. Brutto 4,80 %. Netto: 13.200 × 0,96 × 0,80 = 10.138 €, das sind 3,69 % vom Einsatz. Kaufpreisfaktor 250.000 / 13.200 = 18,9.
Häufiger Fehler: Bruttorendite auf den Kaufpreis statt auf den Gesamteinsatz zu beziehen, ergibt 5,28 % und beschönigt das Ergebnis.
Ein vermietetes Grundstück (Neuvermögen, keine Befreiung) wird um 400.000 € verkauft; die Anschaffungskosten betrugen 300.000 €. Wie hoch ist die Immobilienertragsteuer als Überschlag?
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Gewinn 100.000 € × 30 % = 30.000 €. Nicht berücksichtigt: Befreiungen, Instandsetzungsaufwand, Zuschläge, Verrechnungen. Für eine verbindliche Auskunft ist eine Steuerberatung nötig.
Warum ist eine hohe Bruttorendite allein kein Kaufargument?
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Richtig: b)
Die Bruttorendite ist eine Vorstufe. Erst nach Abzug von Leerstand und Bewirtschaftung, und mit Blick auf Finanzierung und Steuer, ist ein Vergleich aussagekräftig.
Quellen
- Einkommensteuergesetz 1988 (EStG), BGBl. Nr. 400/1988, § 30 und § 30a
- IMMORADAR rendite.py (immoest), Stand 2026-09-02
Widmung und Betriebsanlage – was ein Standort für einen Betrieb können muss
Lernziele
- Erklären, warum die Flächenwidmung vor der Besichtigung geprüft wird (verstehen)
- Aus einer Geräteliste Anschlusswert und Flächenbedarf ableiten (anwenden)
- Die Schwellen des vereinfachten Genehmigungsverfahrens als Regelwerte einordnen (beurteilen)
Widmung zuerst
Ob in einem Gebäude gewerblich gearbeitet werden darf, entscheidet zuerst die Flächenwidmung der Gemeinde (in Niederösterreich nach dem NÖ Raumordnungsgesetz 2014 und der NÖ Bauordnung 2014: etwa Bauland-Betriebsgebiet, Bauland-Kerngebiet, Bauland-Mischgebiet). Die Widmung ist für den Standort ein Ausschlusskriterium, kein Punktabzug: In einer ungeeigneten Widmung hilft kein Preisnachlass. Maßgeblich ist der Flächenwidmungsplan der Gemeinde; Online-Karten sind nicht rechtsverbindlich.
Betriebsanlage
Betriebsanlagen, die geeignet sind, Nachbarn zu belästigen oder zu gefährden, brauchen nach § 74 Abs. 2 der Gewerbeordnung eine Genehmigung. Das vereinfachte Verfahren nach § 359b gilt nach den Regelschwellen bis 800 m² Betriebsfläche und bis 300 kW Maschinenanschlusswert; die Entscheidungsfrist beträgt seit der Novelle 2026 zwei Monate. Das sind Regelwerte, die Behörde beurteilt den Einzelfall. Dazu kommen Arbeitnehmerschutz, Abfallrecht, Lärm und, je nach Verfahren, Grenzwerte für Arbeitsstoffe.
Vom Bedarf zum Suchprofil
Ein Betrieb sollte seine Standortanforderungen aus seiner tatsächlichen Geräteliste ableiten, nicht aus dem Bauchgefühl: installierter Anschlusswert, Gleichzeitigkeit (welcher Anteil läuft gleichzeitig), Stellfläche samt Zuschlag für Zugang und Wartung, Arbeitsplätze, Nebenflächen, Reserve. Gleichzeitigkeit, Zuschlag und Reserve legt der Betrieb fest; es gibt dafür keinen allgemeingültigen Standardwert.
Übungen
Geräteliste: 6 × Gerät A (0,5 kW, 0,6 m² Stellfläche); 2 × Gerät B (4,0 kW, 5,0 m²; Absaugung nötig); 1 × Gerät C (8,0 kW, 6,0 m²; Druckluft nötig). Gleichzeitigkeit 50 %, Platzzuschlag 50 %, zwei Arbeitsplätze zu je 7 m², Nebenflächen 12 m², Reserve 20 %. Berechnen Sie installierten Anschlusswert, gleichzeitigen Anschlusswert, Planlast mit Reserve und Planfläche.
Lösung anzeigen
Installiert: 6 × 0,5 + 2 × 4,0 + 8,0 = 19,0 kW. Gleichzeitig (50 %): 9,5 kW; mit 20 % Reserve 11,4 kW. Stellfläche 3,6 + 10 + 6 = 19,6 m²; mit 50 % Zuschlag 29,40 m²; plus Arbeitsplätze 14 m² plus Nebenflächen 12 m² = 55,40 m²; mit Reserve 66,5 m². Medien: Absaugung und Druckluft sind als Suchkriterien aufzunehmen.
Häufiger Fehler: Den gleichzeitigen Anschluss als Anschlusswert für die Schwellenprüfung zu nehmen: Die Regelschwelle bezieht sich auf den installierten Maschinenanschlusswert.
Ein Betrieb plant 650 m² Betriebsfläche und 280 kW installierten Anschlusswert. Was folgt aus den Regelschwellen?
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Richtig: b)
800 m² und 300 kW sind Regelschwellen. Sie unterschreiten beide, das vereinfachte Verfahren kommt in Betracht; ob es zutrifft, beurteilt die Behörde im Einzelfall.
Ein Inserat zeigt eine ‚Halle in Gewerbelage‘ ohne Widmungsangabe. Welche drei Schritte setzen Sie, bevor Sie besichtigen?
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Erwartete Schritte: (1) Widmung beim Flächenwidmungsplan der Gemeinde klären (Online-Karte als Vorabinfo, verbindlich ist der Plan der Gemeinde). (2) Anschlusswert und Medien erfragen und mit dem eigenen Bedarf vergleichen. (3) Betriebsanlagengenehmigung oder bestehenden Genehmigungsbescheid für die geplante Nutzung vorab klären (Bezirkshauptmannschaft bzw. Gewerbebehörde). Die Reihenfolge ist begründbar: Ausschlusskriterien zuerst.
Quellen
- Gewerbeordnung 1994 (GewO), BGBl. Nr. 194/1994, §§ 74, 359b
- NÖ Raumordnungsgesetz 2014 (NÖ ROG 2014), LGBl. Nr. 3/2015
- NÖ Bauordnung 2014 (NÖ BO 2014), LGBl. Nr. 1/2015
- ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG), BGBl. Nr. 450/1994
- IMMORADAR bedarf.py und nutzungsprofile.json
Entscheiden unter Unsicherheit – und KI als Werkzeug
Lernziele
- Die Rangfolge der Urteilsstufen anwenden, ohne Teilergebnisse zu mitteln (anwenden)
- Eine KI-Aussage anhand einer Primärquelle prüfen (beurteilen)
- Aufsichtsstufen für automatisierte Teile erklären und auf einen Ablauf anwenden (verstehen, anwenden)
Rangfolge statt Durchschnitt
Passung 90, Risiko 40, negatives Residuum: Der Durchschnitt wäre 65, das Objekt ist aber keines, das man kauft. Deshalb gilt eine feste Rangfolge: (1) Ausschluss, (2) Wirtschaftlichkeit, (3) kritischer Einzelbefund, (4) Passung und Risiko gemeinsam, (5) bei dünner Datenlage kein Urteil, sondern eine Arbeitsliste. Ein Urteil wird erst gefällt, wenn nichts Höherrangiges greift.
KI sinnvoll nutzen heißt prüfen können
Sprachmodelle formulieren gut und rechnen oder zitieren unzuverlässig. Wer sie im Unterricht und im Beruf nutzt, statt sie zu verbieten, muss lehren, wie man ihre Aussagen prüft: Quelle verlangen, Primärquelle öffnen, Rechnung nachrechnen, Stand beachten. Ein Werkzeug, das Rechtsregeln erfindet, ist unbrauchbar; deshalb rechnet IMMORADAR mit festgelegten Regeln und Quellen, und ein Sprachmodell darf dort weder Regeln erfinden noch ändern.
Aufsichtsstufen
Automatisierte Teile arbeiten in Stufen: A0 melden, A1 vorbereiten (zum Beispiel einen Briefentwurf), A2 ausführen nach Freigabe durch einen Menschen. Eine Stufe ‚ausführen ohne Freigabe‘ gibt es nicht. Alles, was nach außen wirkt, braucht eine Freigabe; alles, was bindet (Vertrag, Anzahlung), löst der automatische Teil nie aus. Wer beantragt, entscheidet nicht selbst (Vier-Augen-Regel).
Übungen
Ein Objekt hat Passung 92, Risikoscore 88, aber ein Residuum von −35.000 € bei den eigenen Annahmen. Welches Urteil ergibt die Rangfolge?
Lösung anzeigen
Richtig: b)
Wirtschaftlichkeit steht in der Rangfolge vor der Passung. Ein negatives Residuum ist ein Stopp, kein Abzug.
Eine KI behauptet: ‚Die verbindliche Kreditvergabe-Verordnung KIM-V gilt weiterhin und begrenzt die Schuldendienstquote auf 40 %.‘ Wie prüfen Sie das?
Lösung anzeigen
Richtig: c)
Die Aussage ist veraltet. Prüfen heißt: Primärquelle suchen und den Stand beachten. Nochmaliges Fragen derselben KI ist keine Prüfung, Nachrechnen der Quote prüft die Rechnung, nicht die Rechtslage.
Ein automatischer Teil hat einen Antwortentwurf an einen Makler vorbereitet. Wer darf ihn senden?
Lösung anzeigen
Richtig: b)
Äußere Handlungen führt ein Mensch aus, nach Freigabe. Die beantragende Person entscheidet nicht selbst.
Beschreiben Sie in fünf Sätzen, wie Sie in Ihrem Arbeits- oder Schulalltag ein KI-Werkzeug einsetzen würden – und welche Prüfschritte Sie davor und danach festlegen.
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Offene Aufgabe. Gute Antworten nennen: den Zweck (Entwurf, Zusammenfassung, Ideen), die Grenzen (Rechnen, Rechtsstand, Zitate), mindestens zwei Prüfschritte (Quelle öffnen, nachrechnen, zweite Person) und wer die Verantwortung trägt (der Mensch, der den Text verwendet).
Quellen
- Parasuraman, R.; Sheridan, T. B.; Wickens, C. D.: A model for types and levels of human interaction with automation. IEEE Transactions on Systems, Man, and Cybernetics – Part A 30 (2000), 286–297
- Lee, J. D.; See, K. A.: Trust in automation: Designing for appropriate reliance. Human Factors 46 (2004), 50–80
- Kahneman, D.: Thinking, Fast and Slow. Farrar, Straus and Giroux 2011
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung)