Lehrerhandbuch Standort und Immobilie

Lehrerhandbuch: Standort und Immobilie – wirtschaftlich entscheiden

Kurskennung LA-WF-STANDORT-01 · Stand 2026-10-06 · Lern-Agent, Bereich Wirtschafts- und Finanzbildung

1 Wozu der Kurs da ist

Der Kurs zeigt an einem echten Analysewerkzeug, wie man wirtschaftliche Entscheidungen unter unvollständiger Information trifft. Gerechnet wird mit Standortentscheidungen für Wohnung, Betrieb und Anlage; das Gelernte (Datenabdeckung, Nebenkosten, Tragbarkeit, Rangfolge statt Durchschnitt, Prüfen von KI-Aussagen) ist darüber hinaus übertragbar.

Zielgruppen: Schülerinnen und Schüler Handelsakademie und Wirtschaftsschulen (Oberstufe); Berufsschule; Erwachsene im zweiten Bildungsweg; Gründerinnen und Gründer, Selbständige; Lehrkräfte als Unterrichtsmaterial.

Voraussetzungen: Prozentrechnung, Dreisatz, Taschenrechner. Kein Vorwissen zu Immobilien.

2 Aufbau und Zeitbedarf

Richtwert insgesamt 10 Stunden. Richtwert aus Inhaltsmenge und Übungen, noch nicht im Unterricht erprobt.

Modul Thema Richtzeit Übungen
M1 Daten ehrlich lesen 1,5 h (geschätzt) M1-U1, M1-U2, M1-U3
M2 Kaufnebenkosten und Finanzierung 2,5 h (geschätzt) M2-U1, M2-U2, M2-U3
M3 Rendite und Steuer 1,5 h (geschätzt) M3-U1, M3-U2, M3-U3
M4 Widmung und Betriebsanlage – was ein Standort für einen Betrieb können muss 2,5 h (geschätzt) M4-U1, M4-U2, M4-U3
M5 Entscheiden unter Unsicherheit – und KI als Werkzeug 2 h (geschätzt) M5-U1, M5-U2, M5-U3, M5-U4

3 Ablauf je Modul (Vorschlag)

  1. Einstieg mit der Leitfrage des Moduls (5 Minuten, ohne Unterlagen).
  2. Inhaltsabschnitte lesen oder vortragen; die Lernenden markieren, was sie nicht erklären könnten.
  3. Übungen einzeln oder in Paaren; Lösungen erst nach dem eigenen Ansatz öffnen.
  4. Gemeinsam die ‚häufigen Fehler‘ besprechen – sie sind didaktisch der wichtigste Teil.
  5. Werkzeug öffnen und eine Übung dort nachrechnen; Abweichungen klären.

4 Lernziele, Übungen und Lösungen

M1 Daten ehrlich lesen

Lernziele

M1-U1 (Rechnen)

Ein Mietobjekt hat folgende Teilnoten: Eignung 50, Potenzial 40, Risiko 100. Für Preis und Lage gibt es keine belegten Referenzdaten. Gewichtung: Preis 30, Lage 20, Eignung 35, Potenzial 5, Risiko 10. Berechnen Sie (a) die Datenabdeckung und (b) die Gesamtnote nach Renormierung.

Lösung: (a) Vorhandene Gewichte: 35 + 5 + 10 = 50, also 50 % Abdeckung. (b) (50 × 35 + 40 × 5 + 100 × 10) / 50 = (1.750 + 200 + 1.000) / 50 = 59. Die Gesamtnote 59 ist wegen der Abdeckung unter 60 % nur eine grobe Sortierung.

Häufiger Fehler: Wer Preis und Lage mit null ansetzt, erhält 29,5 – ein Wert, der das Objekt für Datenlücken bestraft.

M1-U2 (Auswahl)

Ein Objekt hat Score 88 bei 40 % Datenabdeckung, ein zweites Score 70 bei 100 %. Welche Aussage ist richtig?

Richtig: c)

Lösung: Unter 60 % Abdeckung ist der Score nur eine grobe Sortierung. Das zweite Objekt ist nicht sicher besser, aber sein Wert ist belastbar. Abdeckung und Score werden nicht verrechnet; sie sind zwei verschiedene Aussagen.

M1-U3 (Offene Aufgabe)

Nennen Sie zwei Daten, die für Ihre eigene Standortentscheidung (Wohnung, Werkstatt, Geschäft) wichtig wären, und überlegen Sie: Wo finden Sie sie belegt, mit Quelle und Stand? Welche würden Sie nur schätzen können?

Lösung: Offene Aufgabe. Gute Antworten nennen eine überprüfbare Quelle (Statistik Austria, Gemeinde, Grundbuch, Mietvertrag, Energieausweis) und trennen belegte Werte von Schätzungen. Eine Schätzung ist zulässig, wenn sie als solche gekennzeichnet ist und nicht in eine Rechnung einfließt, als wäre sie belegt.

M2 Kaufnebenkosten und Finanzierung

Lernziele

M2-U1 (Rechnen)

Kaufpreis 300.000 €, geplante Hypothek 240.000 €, mit Makler. Verwenden Sie die Sätze aus dem Text (Vertragserrichtung 2 %, Makler 3 % + 20 % USt, Eingabengebühr 47 €). Berechnen Sie die Kaufnebenkosten insgesamt.

Lösung: Grunderwerbsteuer 10.500 € + Eintragung 3.300 € + Pfandrecht 2.880 € (1,2 % von 240.000) + Vertrag 6.000 € + Makler 10.800 € (3 % × 1,2) + Eingabengebühr 47 € = 33.527 €, das sind 11,2 % des Kaufpreises.

Häufiger Fehler: Die Pfandrechtsgebühr berechnet sich auf die Hypothek, nicht auf den Kaufpreis.

M2-U2 (Rechnen)

Ein Kredit über 200.000 € läuft 25 Jahre mit 4,0 % Jahreszins. Wie hoch ist die monatliche Rate? Wie hoch ist sie bei einem um drei Prozentpunkte höheren Zins (7,0 %)?

Lösung: i = 0,04/12, n = 300. Rate = 1.055,67 €. Bei 7,0 %: 1.413,56 €, also 357,88 € mehr (33,9 %).

Häufiger Fehler: Der Zins ist ein Jahreszins; in der Formel steht der Monatszins.

M2-U3 (Rechnen)

Das Haushaltsnettoeinkommen beträgt 3.200 € pro Monat. Wie hoch ist die Schuldendienstquote für die Rate aus M2-U2 (4,0 %) und für die Stress-Rate? Wie sind beide gegenüber der Orientierung von 40 % einzuordnen, und was folgt daraus für die Entscheidung?

Lösung: 1.055,67 / 3.200 = 33,0 %; 1.413,56 / 3.200 = 44,2 %. Die Ausgangsrate liegt unter der Orientierung von 40 %, die Stress-Rate darüber. Die Finanzierung trägt also nur, solange der Zins nicht um drei Prozentpunkte steigt – oder der Haushalt braucht mehr Eigenmittel, eine längere Zinsbindung oder ein höheres Einkommen. Die Quote sagt außerdem nichts über Lebenshaltung und Rücklagen.

M3 Rendite und Steuer

Lernziele

M3-U1 (Rechnen)

Eine Vorsorgewohnung kostet 250.000 €; die Nebenkosten betragen 10 % des Kaufpreises. Die Nettomiete beträgt 1.100 € pro Monat. Leerstand 4 %, Bewirtschaftung 20 %. Berechnen Sie Bruttorendite, Nettorendite und Kaufpreisfaktor.

Lösung: Einsatz 275.000 €; Jahresmiete 13.200 €. Brutto 4,80 %. Netto: 13.200 × 0,96 × 0,80 = 10.138 €, das sind 3,69 % vom Einsatz. Kaufpreisfaktor 250.000 / 13.200 = 18,9.

Häufiger Fehler: Bruttorendite auf den Kaufpreis statt auf den Gesamteinsatz zu beziehen, ergibt 5,28 % und beschönigt das Ergebnis.

M3-U2 (Rechnen)

Ein vermietetes Grundstück (Neuvermögen, keine Befreiung) wird um 400.000 € verkauft; die Anschaffungskosten betrugen 300.000 €. Wie hoch ist die Immobilienertragsteuer als Überschlag?

Lösung: Gewinn 100.000 € × 30 % = 30.000 €. Nicht berücksichtigt: Befreiungen, Instandsetzungsaufwand, Zuschläge, Verrechnungen. Für eine verbindliche Auskunft ist eine Steuerberatung nötig.

M3-U3 (Auswahl)

Warum ist eine hohe Bruttorendite allein kein Kaufargument?

Richtig: b)

Lösung: Die Bruttorendite ist eine Vorstufe. Erst nach Abzug von Leerstand und Bewirtschaftung, und mit Blick auf Finanzierung und Steuer, ist ein Vergleich aussagekräftig.

M4 Widmung und Betriebsanlage – was ein Standort für einen Betrieb können muss

Lernziele

M4-U1 (Rechnen)

Geräteliste: 6 × Gerät A (0,5 kW, 0,6 m² Stellfläche); 2 × Gerät B (4,0 kW, 5,0 m²; Absaugung nötig); 1 × Gerät C (8,0 kW, 6,0 m²; Druckluft nötig). Gleichzeitigkeit 50 %, Platzzuschlag 50 %, zwei Arbeitsplätze zu je 7 m², Nebenflächen 12 m², Reserve 20 %. Berechnen Sie installierten Anschlusswert, gleichzeitigen Anschlusswert, Planlast mit Reserve und Planfläche.

Lösung: Installiert: 6 × 0,5 + 2 × 4,0 + 8,0 = 19,0 kW. Gleichzeitig (50 %): 9,5 kW; mit 20 % Reserve 11,4 kW. Stellfläche 3,6 + 10 + 6 = 19,6 m²; mit 50 % Zuschlag 29,40 m²; plus Arbeitsplätze 14 m² plus Nebenflächen 12 m² = 55,40 m²; mit Reserve 66,5 m². Medien: Absaugung und Druckluft sind als Suchkriterien aufzunehmen.

Häufiger Fehler: Den gleichzeitigen Anschluss als Anschlusswert für die Schwellenprüfung zu nehmen: Die Regelschwelle bezieht sich auf den installierten Maschinenanschlusswert.

M4-U2 (Auswahl)

Ein Betrieb plant 650 m² Betriebsfläche und 280 kW installierten Anschlusswert. Was folgt aus den Regelschwellen?

Richtig: b)

Lösung: 800 m² und 300 kW sind Regelschwellen. Sie unterschreiten beide, das vereinfachte Verfahren kommt in Betracht; ob es zutrifft, beurteilt die Behörde im Einzelfall.

M4-U3 (Offene Aufgabe)

Ein Inserat zeigt eine ‚Halle in Gewerbelage‘ ohne Widmungsangabe. Welche drei Schritte setzen Sie, bevor Sie besichtigen?

Lösung: Erwartete Schritte: (1) Widmung beim Flächenwidmungsplan der Gemeinde klären (Online-Karte als Vorabinfo, verbindlich ist der Plan der Gemeinde). (2) Anschlusswert und Medien erfragen und mit dem eigenen Bedarf vergleichen. (3) Betriebsanlagengenehmigung oder bestehenden Genehmigungsbescheid für die geplante Nutzung vorab klären (Bezirkshauptmannschaft bzw. Gewerbebehörde). Die Reihenfolge ist begründbar: Ausschlusskriterien zuerst.

M5 Entscheiden unter Unsicherheit – und KI als Werkzeug

Lernziele

M5-U1 (Auswahl)

Ein Objekt hat Passung 92, Risikoscore 88, aber ein Residuum von −35.000 € bei den eigenen Annahmen. Welches Urteil ergibt die Rangfolge?

Richtig: b)

Lösung: Wirtschaftlichkeit steht in der Rangfolge vor der Passung. Ein negatives Residuum ist ein Stopp, kein Abzug.

M5-U2 (Auswahl)

Eine KI behauptet: ‚Die verbindliche Kreditvergabe-Verordnung KIM-V gilt weiterhin und begrenzt die Schuldendienstquote auf 40 %.‘ Wie prüfen Sie das?

Richtig: c)

Lösung: Die Aussage ist veraltet. Prüfen heißt: Primärquelle suchen und den Stand beachten. Nochmaliges Fragen derselben KI ist keine Prüfung, Nachrechnen der Quote prüft die Rechnung, nicht die Rechtslage.

M5-U3 (Auswahl)

Ein automatischer Teil hat einen Antwortentwurf an einen Makler vorbereitet. Wer darf ihn senden?

Richtig: b)

Lösung: Äußere Handlungen führt ein Mensch aus, nach Freigabe. Die beantragende Person entscheidet nicht selbst.

M5-U4 (Offene Aufgabe)

Beschreiben Sie in fünf Sätzen, wie Sie in Ihrem Arbeits- oder Schulalltag ein KI-Werkzeug einsetzen würden – und welche Prüfschritte Sie davor und danach festlegen.

Lösung: Offene Aufgabe. Gute Antworten nennen: den Zweck (Entwurf, Zusammenfassung, Ideen), die Grenzen (Rechnen, Rechtsstand, Zitate), mindestens zwei Prüfschritte (Quelle öffnen, nachrechnen, zweite Person) und wer die Verantwortung trägt (der Mensch, der den Text verwendet).

5 Bewertung

Je Rechenaufgabe 2 Punkte (Ansatz 1, Ergebnis 1), je Wahlfrage 1 Punkt, freie Aufgaben 2 Punkte nach Kriterienliste in der Lösung.

Der Kompetenznachweis wird bei mindestens 70 % der Punkte der Übungen M1 bis M5 ausgestellt. Die Schwelle ist ein Vorschlag und noch nicht erprobt.

Ausgestellt wird nur eine Teilnahmebestätigung bzw. ein Kompetenznachweis, kein Zeugnis und kein anerkannter Abschluss.

6 KI im Unterricht

KI wird im Kurs genutzt und gelehrt, nicht verboten. Lernende dürfen ein Sprachmodell als Erklärhilfe verwenden; sie müssen angeben, wofür, und das Ergebnis mit einer Primärquelle oder einer eigenen Rechnung belegen.

Vorlage zur Offenlegung des KI-Einsatzes (Lernende): Ich habe ___ (Werkzeug) für ___ (Zweck) verwendet. Geprüft habe ich das Ergebnis durch ___ (Primärquelle/eigene Rechnung/zweite Person). Verändert habe ich ___.

7 Datenschutz und Technik

Die Kursseite und die fünf Übungswerkzeuge laufen im Browser. Es gibt kein Konto, keine Auswertung und keine externen Anfragen der Kursseite; auch die Werkzeugseiten der Lern-Agent-Fassung laden keine Schriftarten oder Skripte von Dritten (das erzeugt der Uploadbau, siehe Betriebshandbuch). Eingaben der Lernenden verlassen das Gerät nicht, solange keine Verbindung zu einer eigenen Schnittstelle eingerichtet ist. Die Seiten lassen sich ausdrucken; Lösungen erscheinen im Ausdruck.

8 Grenzen

9 Querverweise

10 Quellen